Gemeindeleitung
Kirchengemeinderat und Pfarrer leiten zusammen die Gemeinde… (hier geht’s weiter)
GEMEINDE2.0 - der Kongress
„Gemeinde 2.0 - Frische Formen für die Kirche von heute“. Unter diesem Motto trafen sich rund 850 Teilnehmende und 200 Mitwirkende vergangene Woche in Filderstadt-Bernhausen. Vier Vorkonferenzen am Donnerstag und die zweitägige Hauptkonferenz am Freitag und Samstag lockten auffallend viele junge Interessierte an. Man spürte etwas von der Sehnsucht nach frischen Gestaltungsformen in unserer Kirche. Mit dabei Kirchengemeinderäte, Pfarrerinnen und Pfarrer, Ehren- und Hauptamtliche aus den unterschiedlichsten Bereichen unserer Landeskirche, Vertreter von Oberkirchenrat und Synode – und mit dabei sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unserer Gemeinde. Veranstalter des Kongresses waren das EKD-Zentrum für Mission in der Region (www.zmir.de), das Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (www.ieeg-greifswald.de), das Evangelisches Jugendwerk in Württemberg (www.ejwue.de), der Evangelische Kirchenbezirk Bernhausen (www.evkifil.de), Vineyard-Gemeinschaften in Württemberg (www.vineyard-gemeinschaften.de) und Church Convention (www.churchconvention.de).
Zahlreiche Gäste aus der Church of England symbolisierten, „woher der Wind weht“. Eine Säule des Kongresses war die Weitergabe von Erfahrungen, die die englische Staatskirche mit „Fresh Expression“, mit frischen Ausdrucksformen von Kirche in den letzten Jahren gemacht hat. Die anglikanischen Bischöfe Graham Cray und Steven Croft erzählten von ihren Überlegungen und Erfahrungen, wie Evangelium heute kultur- und gesellschaftsrelevant kommuniziert werden kann. Mich hat besonders beeindruckt, wie die Kirchenleitung der anglikanischen Kirche die Themen „Fresh Expression“ und Churchplanting zur Chefsache erklärt haben.
Vier Vorkonferenzen am Donnerstag luden zum Erfahrungsaustausch zu folgenden Themen ein:
- Junge Menschen begegnen Gott – Jugendkirche und junge Gemeinde als geistlicher Erfahrungsraum
- „Mission-shaped Church“ – Frischer Wind für unsere Kirche?!
- Jesus leidenschaftlich nachfolgen – Gemeinschaften in der Postmoderne als Biotope der Hoffnung
- Kreative Gemeindeformen – Gemeinde gestalten diesseits und jenseits der klassischen Parochie
In mehr als 70 Seminaren, Foren und Vorträgen bei der Hauptkonferenz dachten Referenten und Besucher miteinander über „Frische Formen von einer Kirche der Zukunft“ nach. Angeregt durch Praxisbeispiele aus England, tauschten wir uns in den Seminaren über Erfahrungen und Übertragungsmöglichkeiten in unserem Umfeld aus - Modelle der Hoffnung anhand von Geschichten aus der Praxis. Biblische Impulse und Grundsatzreferate halfen, die Themenvielfalt theologisch und gemeindepädagogisch zu verankern. Zwei Beispiele: Bischof Steven Croft lud anhand der Petruserzählung ein, auch gegen bisherige Erfahrungen neu hinaus aufs offene Meer zu fahren und im tiefen Wasser Netze auszuwerfen. Prof. Heinzpeter Hempelmann und Pfr. Markus Weimer entfalteten unter dem Thema „Der Spur des heruntergekommenen Gottes folgen“, wie sozialwissenschaftliche Forschung eine hilfreiche Lesebrille für die Praxis missionarischen Handels sein kann. Videoclips, Theater, Bands und Gospelchor und eine lebendige, freche Moderation durch Vikarin Elisabeth Nonnenmann und Hörfunkjournalist Christoph Zehendner rundeten das Programm erfrischend ab.
Im Mittelpunkt der Konferenz standen wichtige Impulse aus der anglikanischen Kirche. Natürlich ticken die Briten anders als wir. Und ja, die anglikanische Kirche ist in vielen Punkten nicht mit unserer Landeskirche vergleichbar. Aber sie ist eine Staatskirche mit einer jahrhundertealten Tradition, die sich in den letzten zwanzig Jahren auf den Weg gemacht hat um nochmal neu zu fragen, was heute „eine Kirche nach dem Wesen Gottes“ ausmacht. Welche Impulse die beiden Bischöfe Dr. Steven Croft und Dr. Graham Gray für unsere württembergische Kirche mitgebacht haben, kann man so Punkten skizzieren:
1. Die anglikanische Kirche setzt auf „mixed economy“, eine Mischwirtschaft aus Altem und Neuem. Traditionelle Gemeindeformen und frische Formen von Kirche ergänzen sich. Wir brauchen einen Klimawechsel, eine Ökologie des Gedeihens. Traditionelle Formen werden geschätzt und innovative Formen gefördert und unterstützt. Beide Formen brauchen einander. Sie konkurrieren nicht, sondern stehen füreinander ein. „Die Mitte mit dem Rand zu verbinden“ sei zentral wichtig, mahnten uns die Bischöfe.
2. Unsere britischen Schwestern und Brüder betonen darüber hinaus: Die Entstehung einer „fresh expression“ sei ein geistlicher Vorgang. Prof. Dr. Michael Herbst fasste es in seinem Abschlussreferat so zusammen. „Es beginnt mit „listening“, mit Zuhören: Wir hören auf Gott, wir hören auf die Menschen in unserem Umfeld. Und wir fragen: Was will Gott von uns? Wo öffnet sich hier eine Tür? Es geht weiter mit „serving“, mit Dienen: Wir wollen nicht nur eine gute Nachricht bringen, wir wollen eine gute Nachricht sein. Und dann geht es um „discipling“, darum mit Menschen das Leben in der Nachfolge und die Nachfolge im konkreten Leben einzuüben.“ Aufbrüche und Initiativen müssen sich daran messen lassen. Neue Gemeindeformen sind keine Auffangbecken für kirchlich Frustrierte, sondern Initiativen, die Menschen in ihrer Lebenswelt mit dem Evangelium erreichen.
3. Frische Formen von Kirche sind junge, dynamische Bewegungen, ja, oft auch junge Pfarrerinnen und Pfarrer, die sich in die Lebenswelt von Menschen aufmachen, die Kirche nicht (mehr) erreicht. Sie gehen damit ein Risiko ein. Die Innovation entsteht an der Basis. Wie eine „Graswurzelbewegung des Heiligen Geistes“ wie Bischof Dr. Graham Gray formuliert. Die anglikanische Kirchenleitung hat deshalb beschlossen die „mixed economy“, die Mischwirtschaft aus Altem und Neuen zu bejahen und zu fördern.
Wir werden uns auch in Knittlingen mit diesem Thema beschäftigen. Der Kirchengemeinderat berät in seiner nächsten Sitzung im März darüber.
Mehr Infos: www.gemeindezweinull.org
(14.03.2011)
Kontakt:
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