Die aktuelle Predigt

Pfarrer Hans Veit

 

 

 

 

 

Hier finden Sie die aktuelle Predigt vom letzten Gottesdienst.

Aktuelle Predigt:

Liebe Gemeinde,

letzten Sonntag feierten wir unser Tauffest. Drei Kinder und ein Erwachsener wurden getauft. Im Anschluss ließen sich viele ein Wasserkreuz als Tauferinnerung auf die Stirn mahlen und es sich nochmals zusprechen: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Und heute – ich habe es bei der Begrüßung schon erwähnt – geht es nochmals um das Thema Taufe. War am letzten Sonntag der Focus auf den großen Zuspruch Gottes gelegt, überlegen wir heute, wie sich denn die Taufe im Alltag auswirkt.

 

Für unser Überlegen ist uns heute ein Bibelwort aus dem Brief des Petrus an einer der christlichen Urgemeinden gegeben. Ein Bibelwort, das mit einer überraschenden Ermahnung beginnt – und dann in eine konkrete Platzanweisung mündet, die allen Getauften gilt:

1. Petrusbrief, Kapitel 2.

„Hört also auf mit aller Bosheit und aller Unwahrheit,

mit Scheinheiligkeit, Neid und aller üblen Nachrede.

Wie neugeborene Kinder nach Milch schreien,

sollt ihr nach der unverfälschten Nahrung

von Gottes Wort verlangen.

Durch sie wachst ihr im Glauben heran,

sodass ihr gerettet werdet.

Denn ihr habt ja bereits schmecken dürfen,

wie gut der Herr ist.

Kommt her zu ihm!

Er ist der lebendige Stein,

der von den Menschen verworfen wurde.

Aber bei Gott ist er auserwählt und kostbar.

Lasst euch auch selbst als lebendige Steine

zur Gemeinde aufbauen.

Sie ist das Haus,

in dem Gottes Geist gegenwärtig ist.“

 

„Hört also auf mit aller Bosheit und aller Unwahrheit, mit Scheinheiligkeit, Neid und aller üblen Nachrede.“ Das gibt es also unter Christen: Bosheit und Unwahrheit, Scheinheiligkeit, Neid und üble Nachrede. Das gab es unter den ersten Christen und das gibt es auch heute. Da bauchen wir uns nichts vormachen: Es gibt in jeder Gemeinde solche Menschen, die mit ihren Worten und ihrer Art derart Unfrieden stiften. Mehr noch: Alle Getaufte sind in der Gefahr, in diese alten Muster zurückzufallen, die sie eigentlich mit ihrem Glauben abgelegt haben.

 

Was hilft dagegen? Petrus hat eine Profilaxe und ein Rezept gegen Bosheit und Unwahrheit, Scheinheiligkeit, Neid und üble Nachrede. „Wie neugeborene Kinder nach Milch schreien, sollt ihr nach der unverfälschten Nahrung von Gottes Wort verlangen. Durch sie wachst ihr im Glauben heran.“ Es ist das Wort Gottes, das Lesen der Bibel und das Hören auf die Predigt, die uns auf die Spur bringen. Das Wort Gottes ist wie ein Spiegel, der uns vor Augen gehalten wird. Darin erkennen wir uns. Darin werden wir erkannt. Diese Kraftquelle und Korrektur unseres Lebensstils soll eine tägliche Nahrung für ein Christen sein.

 

Petrus meint das durchaus wörtlich: So wie ein neugeborenes Baby täglich seine Muttermilch braucht, so braucht ein Christ täglich die Nahrung des Wortes Gottes. Kein Wunder, dass sich die ersten Christen täglich versammelten, um es zu hören und auszulegen.

 

Es ist interessant, dass Petrus Bibellesen und Predigt als ein Begegnen mit dem Auferstandenen Christus versteht: „Durch sie – also durch die Worte Gottes - wachst ihr im Glauben heran, sodass ihr gerettet werdet. Denn ihr habt ja bereits schmecken dürfen, wie gut der Herr ist. Kommt her zu ihm!“ Bibellesen und auf die Verkündigung hören ist also ein kommunikativer Vorgang – ein Hören und Reden mit Gott. Bibellesen und Gottesdienst feiern ist ein „Kommen“ zu Christus.

 

Leider hat dieses Bild von der Muttermilch einen Haken. Hat ein Baby Durst, macht es sich unüberhörbar bemerkbar. Es schreit so lange, bis es gestillt wird. Der Durst nach Gottes Wort ist viel leiser, unauffälliger – so, dass wir ihn manchmal gar nicht mehr spüren. Wir meinen ja oft, ganz gut ohne auszukommen.

 

Doch wer sich Gottes Ansprache und Zuspruch entzieht, wem Gottes Wort keine Quelle der Kraft und Orientierung ist, braucht sich nicht zu wundern, dass das Unkraut wie Bosheit und Unwahrheit, Scheinheiligkeit, Neid und üble Nachrede auf seinem Lebensacker sprießt.

 

Wer also fragt, was es heißt, als Getaufte und Getaufter zu leben, erhält als erstes die Antwort: „Bleib dran an Gottes Wort!“

 

Die zweite Antwort, die wir heute Morgen hören, ist eine Platzanweisung. Auch dazu hat Petrus ein Bild: „Lasst euch auch selbst als lebendige Steine zur Gemeinde aufbauen. Sie ist das Haus, in dem Gottes Geist gegenwärtig ist.“ Da, wo Christen zusammen kommen in Gottes Name, da ist er mitten unter ihnen. Es geht wieder um Begegnung und Kommunikation mit dem Auferstandenen. Paulus sagt es so: „Ihr seid als Getaufte in den Leib Christi hinein getauft. In seine Gemeinde. Ihr gebt damit Gottes Geist ein Zuhause.“

 

Die zweite Botschaft an uns lautet also: Lebt als ein lebendiger Stein in Jesu Gemeinde, dann seid ihr an dem Platz, an ihr als Getaufte gewiesen seid. Seid ein Stein in diesem großen Gebäude, in dem Christus selbst leben möchte.

 

Lasst uns das mal durchbuchstabieren: Der getaufte Christ wird mit einem Stein verglichen. Jeder Baustein in einem Bauwerk hat sechs Seiten. So ist er eingebaut.

 

Die Unterseite trägt ihn. Mit der Unterseite ist er fest – direkt oder indirekt - mit dem Fundament verbunden. Nur, wenn er einen festen Grund hat, wird er seiner Funktion gerecht. In unserem Bild vom lebendigen Stein ist Christus selbst das Fundament. Der Glaube an ihn trägt mich, gibt mir Halt und Stabilität. Christus ist im Haus der lebendigen Steine der Grundstein, der das ganze Gebäude trägt. „Einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ Ohne diesen Halt werden Teile des Gebäudes  rissig und sind einsturzgefährdet. Und: Wer ihm vertraut, hat ein tragfähiges Fundament für sein Leben und seinen Glauben finden.

 

Und auch diese Botschaft trägt unser Bild vom Stein in sich. Ich werde nicht nur vom Fundament, sondern von vielen anderen mit getragen, die ebenfalls auf diesen einen Grund bauen.

 

Damit kommen wir zur Oberkante des Steines. Ich bin in diesem Bau wichtig, denn auch trage ja andere. Wenn ich fehle, fehlt etwas am Bau – verliert er sogar an Stabilität und Attraktivität. Jesus hat den Auftrag eines lebendiges Steines einmal so definiert: „Ein jeder trage die Last des anderen, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

 

Es gilt immer Beides: Ich werde getragen und ich trage andere. Ich bin fest eingebaut in diesem lebendigen Bau. Auch links und rechts von mir sind Menschen – Menschen, ohne die der Bau nie ein Ganzes wären. Auch sie stütze ich und sie stützen mich. Natürlich stößt und reibt man sich da auch manchmal aneinander. Das gehört einfach dazu. Doch dies ertrage ich, weil ich das Ganze im Blick habe. Lebendiger Stein im Haus Christi, in seiner Gemeinde zu sein, hat ja keinen Selbstzweck. Es geht da nicht nur um mich – dass ich mich wohl fühle mit meiner Frömmigkeit, meinem Glaubensstil, meinem Musikempfinden, mit meinen Ideen. Klar: Ich will mich in einer christlichen Gemeinschaft wohl fühlen, sie ist aber nie und nimmer eine Wohlfühlgemeinschaft. Sie ist kein selbstgefälliger Club der Selbstzufriedenen!

 

Deshalb habe ich als lebendiger Stein auch eine Außenseite. Sie ist die direkte Berührung zur restlichen Welt – auch zu denen, die noch nicht in das Gebäude eingefügt sind. Meine Außenseite gibt der Gemeinde ein Gesicht. Besser noch: Sie gibt meinem Glauben ein Gesicht und damit auch Christus ein Gesicht. Das, was ich rede – mehr noch – das, was ich lebe und ausstrahle redet laut. Lädt Menschen ein, auch dabei zu sein. Ebenfalls ein lebendiger Stein in Gottes großem Haus zu werden

 

Genau so wichtig wie die Außenseite ist die Innenseite des Steines. Die Innenseite ist wirklich nach innen gerichtet – der Mitte zugewandt. Sie symbolisiert den Zugang zur Kraftquelle. Lebendige Steine leben vom Singen und Beten, vom Hören und Reden, vom Aufnehmen des lebendigen Wortes Gottes. Sie leben aus der Stille und aus der Kraft von Brot und Wein.

 

Wir haben in unserer Gemeinde viele Räume, Quellräume der Kraft Gottes; Räume für die Innenseite unseres Christseins: Haus- und Gebetskreise, der Bibelgesprächskreis, unsere vielfältigen Gottesdienste, den Raum der Stille unten im Turm, Seelsorge und vieles mehr.

 

Zwischen Innen- und Außenseite des Steines gibt es einen untrennbaren Zusammenhang. Nimmt die Innenseite keine Kraft auf, wird die Außenseite nichts ausstrahlen. Vielleicht wirken wir Christen in Knittlingen manchmal so schwach hinaus in unsere Stadt, weil wir zu wenig unsere Innenseite pflegen?

 

Ein tolles Bild wird uns also heute Morgen vor Augen geführt: Du bist getauft. Damit bist du ein lebendiger Stein – ein Stein, der von Gott erwählt, von ihm verwandelt wird und seinen Platz in seinem Haus hat. Du hast - wie jeder Stein im Bau - deine verschiedenen Seiten – bist getragen und kannst tragen; du kannst nehmen und geben. Du bist gesegnet und du bist ein Segen für viele andere.

 

Lasst uns das neu erkennen: Unsere Kraftquelle ist das Wort Gottes und unsere Platzanweisung ist es, als ein lebendiger Stein in seiner Gemeinde zu leben. Dann wirkt unsere Taufe das, was in ihr angelegt ist. Amen

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